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Frühzeitig mit Berufswahl und Bewerbungen beginnen

Die Bundesagentur für Arbeit macht darauf aufmerksam, möglichst zwei Jahre vor dem Erreichen des gewünschten Schulabschlusses mit der Berufswahl, mit Planungsarbeiten für Bewerbungen und vorgeschalteten Praktika zu beginnen. Was SchülerInnen tun sollten, um sich „startklar“ für die Ausbildung zu machen, erfahren sie hier:

http://bwt.planet-beruf.de/index.php?id=2

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge / Coach

Die drei Phasen des Bewerbungsprozesses unbedingt beachten!

„Bewerben Sie sich bitte umgehend…“ heißt es oft in den Stellenangeboten. Doch viele Jugendliche kennen das Wort „umgehend“ gar nicht. Und sie verstehen nach einer Erklärung häufig nicht, wozu sie sich beeilen sollen. Doch bestimmen nun mal die potenziellen Arbeitgeber den Takt, denn sie sind es, die lange vorher planen, zig Kandidaten testen und zum Vorstellungsgespräch einladen müssen. Je größer ein Betrieb und  wenn er ein Teil einer Kette (Filiale einer Großkette) ist, desto eher werden standardmäßig bestimmte Phasen des Bewerbungsablaufes nach einem festen Muster eingehalten. Phase 1 begann im Sommer und umfasste die Bewerbungsaktivitäten der Jugendlichen. Diese Phase neigt sich jedoch für 2012 dem Ende zu. Denn nun laufen die Fristen bei den besonders attraktiven Ausbildungsplätzen wieder ab, in manchen Fällen kann man sich schon seit Wochen nicht mehr für das Ausbildungsjahr 2012 bewerben. Beispielsweise endete die Frist für Jugendliche, die sich an der Universität Dortmund um einen Ausbildungsplatz beworben haben, Ende Oktober. Die Bewerbungsphase 1 für 2012 ist also zeitlich um.

Theoretisch müsste nun auch bei den abgehenden Schülern die Phase 2 beginnen, die das Absolvieren der Einstellungstests meint. Leider ist es jedoch so, dass viele Jugendliche noch immer abwarten, bis sie das Halbjahreszeugnis Mitte/Ende Januar erhalten. Sie bekommen zum Teil wenig Druck von der Schule oder von ihren Eltern, sich eher gestern als morgen zu bewerben. So werden viele erst nach Erhalt des Halbjahreszeugnisses aktiv, wenn sie dann auch in der Regel wissen, ob es ggf. mit der Berufsschule klappt oder nicht. So ist ein gewisser Prozentsatz an Panik vorprogrammiert. Ohne Berufsschulzusage oder ohne prima Halbjahreszeugnis wissen viele nicht, wo sie sich jetzt noch bewerben können. Und natürlich haben viele nicht aufgepasst, als wertvolle Tipps zur individuellen Bewerbungsgestaltung gegeben wurden. All das rächt sich im Nachhinein.

Immerhin schafft es ein Teil dieser Jugendlichen, einige Ausbildungsplätze bei Bekannten oder Verwandten evtl. im landwirtschaftlichen Betrieb zu finden, oder im einsamen Kaufmannsladen mitten in der Pampa. Aber die begehrten Plätze sind häufig schon vergeben. Wer klug (gewesen) ist, hat jetzt schon seit dem Sommer mindestens 50 – 100 Bewerbungen verschickt und erhielt bereits die ein oder andere Einladung – natürlich neben vieler Absagen. Diese Bewerber bereiten sich nun größtenteils auf Einstellungstests vor und sind somit schon in der Phase 2 des Bewerbungsablaufes. Wer immer noch abwartet, hat Phase 1 fast verschlafen und wird sich – wenn er oder sie dann überhaupt noch das Glück hat –  in irgendeiner Maßnahme wiederfinden. Ansonsten gilt es gerade für sie, täglich bis wöchentlich die Jobbörse der Arbeitsagentur zu durchforsten:

http://jobboerse.arbeitsagentur.de/

Phase 3 folgt nach der erfolgreichen Teilnahme an den Einstellungstests. Diese Tests können einen ganzen Vormittag andauern, wer eingeladen wird, erhält für diesen Tag „schulfrei“, was natürlich mit der Schule abgesprochen werden muss. Dort finden sich möglicherweise 30 oder 50 verschwitzte, nervöse Jugendliche in einer großen Aula wieder und dürfen seltsame Sozialspielchen veranstalten, was viele nicht ernst nehmen und – ohne es zu bemerken – sofort von der Liste gestrichen werden, worauf die stehen, die nach Bestehen dieser Tests zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Neben diverser Turmbau- oder Brückenbau-Übungen stehen aber auch noch viele Tests auf dem Programm, die das logische Denken, das Sprachvermögen, die Allgemeinbildung (Geografie, Biologie, Religion, Politik, Geschichte, Chemie…) oder die mathematischen Fähigkeiten abfragen. Und hier zeigt sich, wer schon mal die Tagesschau gesehen, die Tageszeitung gelesen oder wer nicht alle Nebenfächer abgewählt hat, die man abwählen durfte. In diesen Tests geht es unter anderem darum, herauszufinden, ob die Schülerin bzw. der Schüler auch ein wenig mehr von der Welt mitbekommen hat, als nur das rein Schulische.  Nun ist es auch von Vorteil, wenn man zwei Jahre vor Schulabgang die ersten Praktika mitgemacht hat und weiß, dass das ehrenamtliche Engagement (Zugehörigkeit zu einem Verein etc.) auch ein Stück dazu beiträgt, die Chancen auf eine (gute) Ausbildung zu erhöhen. Vielen Schülern muss man erklären, dass es auch ein wenig darum geht, herauszufinden, wer nervenstark bleibt. Viele Tests sind  nämlich so angelegt, dass man nicht alle Aufgaben schafft. Wer zudem verbissen an einer Aufgabe hängen bleibt, hat gleich doppelt Pech, denn die Zeit läuft gnadenlos weiter. Mindestens 50 % der Antworten, besser 60-70 %, sollten korrekt gelöst sein. 100 % schafft eigentlich niemand, zu lösen. Nach Auswertung der Tests und der Beoachtungen, die sogar noch im Eingangsflur des Betriebs nicht enden (manch ein fluchender, getesteter Schüler wird noch im Flur von hellhörigen Mitarbeitern des Betriebs bemerkt und darf sich dann auf eine entsprechende Absage freuen), steht fest, wer in Phase 3 zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden soll.

Hier können die Jugendlichen noch einmal richtig punkten! Es geht in der Regel weniger um reine Fachkompetenz, sondern eher um Persönlichkeit und Ausstrahlung.  Auch hierzu sollte sich jeder Bewerber gründlich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet haben und wissen, wie man sich verhält, wie man sich angemessen kleidet und vor allen Dingen, was man antworten kann. Schon eine erste, scheinbar banale Frage, ob der Bewerber etwas trinken möchte, kann schon bei einer falschen Antwort dazu führen, dass man im Prinzip gleich wieder gehen kann. Wer arrogant sagt, dass er gesünderes zu trinken pflegt als das, was ihm der Personaler bzw. der Firmenchef anbietet, hat verspielt. Aber auch derjenige, der aus Angst alles annimmt, begibt sich auf Glatteis, weil auch Ja-sager nicht gewollt sind. Wichtig ist es im Gespräch, zu wissen, wie man sich beworben hat. Der Lebenslauf sollte ebenso wie das Anschreiben im Gedächtnis sein. Doch geht es nicht darum, das Geschriebene nachzuerzählen, sondern eher darum, die eigenen Stärken und Fähigkeiten ganz gezielt auf das Stellenangebot hin präsentieren zu können.

Es gibt also reichlich zu tun, zu üben und vorzubereiten. Sollten Sie jetzt in der Abgangsklasse sein und haben Sie sich bisher noch gescheut, sich zu bewerben, kann ich Ihnen nur raten, sofort (= umgehend!) anzufangen! Tipps und Tricks rund um die Bewerbung finden Sie auch in meinem Weblog:  http://berufe.paedblog.de/category/bewerbungstraining/

Viel Erfolg!

Silvio Ströver, Diplom-Pädagoge